Am 26. Februar 2026 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Recyclingwirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Politik im Rahmen eines SZ-Roundtables über die Frage, wie Deutschland und Europa ihre strategische Souveränität im Rohstoffbereich stärken können.
Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis: Rohstoffpolitik ist längst mehr als eine Frage des Imports. Sie berührt industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit, Innovationskraft und sicherheitspolitische Resilienz gleichermaßen. Deutschlands hohe Abhängigkeit von globalen Lieferketten – insbesondere bei kritischen Rohstoffen – macht deutlich, wie verwundbar der Standort ist.
Ein zentraler Diskussionspunkt war die Rolle der Kreislaufwirtschaft. Sie wurde nicht nur als Umwelt- oder Klimathema verstanden, sondern als industrie- und sicherheitspolitischer Hebel. Recycling, Verarbeitungskapazitäten, Produktdesign und Marktnachfrage müssen zusammengedacht werden, wenn Wertschöpfung in Europa gehalten und Abhängigkeiten reduziert werden sollen. Gleichzeitig wurde deutlich: Kreislaufwirtschaft entsteht nicht von allein. Sie braucht verlässliche Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Energiepreise, innovationsfreundliche Regulierung und funktionierende Märkte für Rezyklate.
Einigkeit bestand darüber, dass technologische Kompetenz, Diversifizierung von Lieferketten und der Aufbau europäischer Verarbeitungskapazitäten entscheidend sind. Ebenso wurde diskutiert, wie Bürokratie abgebaut, Genehmigungsverfahren beschleunigt und strategische Investitionen gezielt unterstützt werden können.
Der Roundtable machte deutlich: Strategische Souveränität beginnt nicht erst bei neuen Minen, sondern bei funktionierenden industriellen Ökosystemen – von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis zum Recycling. Wer Resilienz will, muss Kreislaufwirtschaft als integralen Bestandteil moderner Industriepolitik begreifen.