BioNTech-Standorte sichern: Bundesregierung muss endlich aktiv werden

Bis zu 1.860 Arbeitsplätze, wichtige Produktionskapazitäten und wertvolles biotechnologisches Know-how stehen auf dem Spiel. Eine Kleine Anfrage von Julian Joswig, Bundestagsabgeordneter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Obmann im Europaausschuss und Berichterstatter für Industriepolitik im Ausschuss für Wirtschaft und Energie zeigt: Die Bundesregierung wusste frühzeitig von den BioNTech-Plänen, Gespräche mit potenziellen Investoren kann sie trotzdem nicht vorweisen.

Joswig erklärt dazu:

„Die Antwort auf meine Kleine Anfrage zeigt: Die Bundesregierung wurde von BioNTech bereits vor der öffentlichen Bekanntgabe über Stellenabbau, Standortschließungen und die Neuaufstellung informiert. Gleichzeitig erklärt sie, dass keine Gespräche mit potenziellen Investoren bekannt sind. Das ist ein Offenbarungseid. Wenn bis zu 1.860 Arbeitsplätze und wichtige Produktionskapazitäten in Deutschland auf dem Spiel stehen, darf die Bundesregierung nicht zuschauen!“

BioNTech steht wie kaum ein anderes Unternehmen für die Innovationskraft des deutschen und rheinland-pfälzischen Biotechnologiestandorts. Die Beschäftigten haben in der Pandemie Außergewöhnliches geleistet. Ihr Wissen in mRNA-Technologie, Impfstoffentwicklung und biopharmazeutischer Produktion ist ein strategischer Wert für Deutschland und Europa. Dieses Know-how darf nicht verloren gehen.

Die Antwort der Bundesregierung ist ernüchternd: Sie war bereits vor der öffentlichen Bekanntgabe informiert, kann aber seit Bekanntwerden der Schließungspläne keine Gespräche mit potenziellen Investoren benennen. Auf die ausdrückliche Frage nach Gesprächen unter anderem mit Moderna lautet die Antwort schlicht: „Es sind keine dementsprechenden Gespräche bekannt.“

„Als Anteilseigner an BioNTech muss die Bundesregierung erklären, welche Interessen sie mit Blick auf Standorte und Beschäftigung bei der Transaktion abgesichert hat. Dass sie lediglich auf fehlende Einflussmöglichkeiten verweist, kann keine Antwort sein. Merz, Reiche und Linnemann müssen dringend aktiv werden und Gespräche führen – mit BioNTech, den Betriebsräten, Gewerkschaften, Ländern und Kommunen sowie selbstverständlich auch mit potenziellen Investoren wie etwa Moderna.“

Der Bund ist inzwischen selbst Aktionär von BioNTech. Seine frühere Beteiligung an CureVac wurde im Zuge der Übernahme durch BioNTech in Aktien des Mainzer Unternehmens umgewandelt. Nach Angaben der Bundesregierung hält der Bund nun rund 0,6 Prozent an BioNTech.

Gerade wenn ein Unternehmen selbst nach Käufern für Standorte sucht, muss eine Bundesregierung alle Möglichkeiten nutzen, um tragfähige Lösungen zu unterstützen. Das bedeutet nicht, unternehmerische Entscheidungen politisch zu ersetzen. Es bedeutet aber sehr wohl, Unternehmen, mögliche Investoren, Betriebsräte, Gewerkschaften sowie Länder und Kommunen an einen Tisch zu bringen. Mit Moderna hat bereits ein internationaler Pharmakonzern grundsätzliches Interesse an deutschen BioNTech-Werken signalisiert.

Die Bundesregierung muss jetzt vom Beobachter zum Akteur werden. Es braucht Gespräche über tragfähige Nachfolgelösungen für die betroffenen Standorte und zugleich eine Strategie, wie Deutschland im internationalen Wettbewerb um Pharma- und Biotechnologieinvestitionen attraktiver wird. Denn technologische Souveränität entsteht dort, wo aus Forschung Innovation, aus Innovation Produktion und aus Produktion dauerhafte Wertschöpfung wird.

Autoindustrie in der Zange: Chinesische Konkurrenz, interne Krise – jetzt Zukunftschancen nutzen

Die deutsche Automobilindustrie steckt in der Krise. Volkswagen plant den Abbau von rund 50.000 Stellen bis 2030, Zulieferer wie Bosch streichen tausende Jobs. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller wie BYD, Xpeng und Nio mit preisgünstigen Elektroautos auf den europäischen Markt. In den ersten sieben Monaten 2026 wurden in Deutschland 70.209 Fahrzeuge chinesischer Marken neu zugelassen, allein BYD überholt erstmals Volvo.

Julian Joswig, Bundestagsabgeordneter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Obmann im Europaausschuss und Berichterstatter für Industriepolitik im Ausschuss für Wirtschaft und Energie, erklärt dazu:

„Die Krise unserer Autoindustrie ist keine Krise, weil wir zu schnell elektrisch werden. Sie ist eine Krise, weil der weltweite Wettbewerb bei Batterien, Software und bezahlbaren Elektroautos schneller geworden ist, als viele in Deutschland wahrhaben wollten. Wer jetzt wieder Milliarden und Entwicklungsarbeit in die Vergangenheit lenkt, verschärft das Problem, statt es zu lösen.“

Der E Auto Markt wächst trotzdem rasant: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in der EU rund 1,22 Millionen reine Elektroautos neu zugelassen, Marktanteil plus auf 20,7 Prozent. In Deutschland legten BEV Neuzulassungen um 48 Prozent zu, im Juli erreichten sie bereits 29,3 Prozent Marktanteil.

Joswig betont: „Die entscheidende Frage lautet: Wo werden die Fahrzeuge, Batterien und Komponenten produziert, und wo entstehen die Arbeitsplätze der Zukunft?“

„Unser Ziel muss sein, dass das Auto der Zukunft auch in Deutschland und Europa gebaut wird. Dafür brauchen wir keine Rückwärtsdebatte über den Verbrenner, sondern einen Zukunftsplan für unsere Autoindustrie: bezahlbare Elektroautos aus europäischer Produktion, starke Batterie und Softwarekompetenz, günstigen erneuerbaren Strom, eine verlässliche Ladeinfrastruktur und konkrete Perspektiven für die Beschäftigten.“

Doch der Kurs der Bundesregierung schafft Unsicherheit. Die neue E Auto Prämie steht unter scharfer Kritik: Umweltverbände monieren die Förderung von Plug in Hybriden und Luxusmodellen, Verbraucherzentralen kritisieren hohe Einkommensgrenzen, Experten wie Ferdinand Dudenhöffer sprechen von „Steuergeldverschwendung“.

Joswig fordert: „Wir Grüne setzen auf einen verlässlichen Transformationskurs: Investitionen in Batterietechnologien, Digitalisierung und Ladeinfrastruktur, kombiniert mit einer sozial gestaffelten Förderung für bezahlbare E Autos aus europäischer Produktion.“

Die deutsche Automobilindustrie habe alle Voraussetzungen, auch in Zukunft weltweit führend zu sein. „Aber wir müssen jetzt investieren: in Forschung, Batterien, Software und vor allem in die Menschen, die diesen Wandel jeden Tag umsetzen. Die politische Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass aus diesem Wandel neue Stärke entsteht, und dass das Auto der Zukunft auch weiterhin in Deutschland und Europa entwickelt und gebaut wird.“

LKW powered by Solar. Besuch bei PamSun by TST Logistics in Worms

Am Standort Worms habe ich gemeinsam mit der grünen Landesvorsitzenden Carolin Cloos sowie Mitgliedern des grünen Kreisverbandes das Unternehmen PamSun besucht, eine Tochtergesellschaft der TST Logistics GmbH. Im Mittelpunkt des Gesprächs mit Geschäftsführerin Katrin Herda stand der Auf- und Ausbau einer eigenen Infrastruktur zur Gewinnung und Nutzung erneuerbarer Energien in der Logistikbranche – ein Thema, das exemplarisch zeigt, wie Klimaschutz und wirtschaftliche Wertschöpfung in einer besonders energieintensiven Branche zusammengedacht werden können.

Unternehmen und Geschäftsmodell

PamSun wurde als eigene Projektgesellschaft der TST GmbH gegründet und widmet sich der Planung, Errichtung, dem Betrieb, der Wartung und dem Ausbau von Photovoltaikanlagen, Ladestationen für E-Mobilität und Batteriespeichern sowie der Vermarktung der daraus erzeugten erneuerbaren Energie. Die TST GmbH selbst ist mit mehr als 3.500 Beschäftigten und 75 Logistikstandorten allein in Deutschland – TST-weit über 75 Standorten in Deutschland, Europa und den USA – ein Schwergewicht der Branche, sodass die hier entwickelten Lösungen ein erhebliches Skalierungspotenzial besitzen.

Das Geschäftsmodell von PamSun ruht auf drei Säulen. Die erste ist der Aufbau eines eigenen Energieökosystems: Auf den Dächern und Wänden der TST-Logistikzentren entstehen großflächige PV-Anlagen, deren Strom über ein intelligentes Energiemanagement sowohl für den Eigenbedarf als auch für die Ladeinfrastruktur genutzt wird. Die zweite Säule ist die Ladeinfrastruktur selbst: PamSun plant und betreibt Depot-Ladeparks für E-Lkw-Flotten. Die dritte Säule trägt den Namen „dragonize“ – ein offenes, überbetriebliches Ladenetz, das nicht nur der eigenen Flotte, sondern der gesamten Logistikbranche zur Verfügung stehen soll.

Ziele

Katrin Herda erläuterte die konkreten Zielmarken des Unternehmens: Jährlich sollen rund 70.000 Megawattstunden Ökostrom produziert werden, die direkt in die Energiewende fließen. Parallel dazu treibt PamSun den Aufbau eines bundesweiten Ladenetzes für den Schwerlastverkehr voran, das ausdrücklich auch Kunden und externen Spediteuren offensteht. TST als Muttergesellschaft strebt an, bis 2035 klimaneutral zu werden, und der Standort Worms soll dabei als Blaupause für mehr als 20 weitere Logistikzentren in Deutschland dienen.

Bereits erreichte Meilensteine

Am 20. März 2025 wurde in Worms unter der neuen Marke „PamSun“ der erste Schnellladepark für E-Lkw eröffnet – nach Angaben des Betreibers die größte Schnell-Ladestation für E-Lkw in Rheinland-Pfalz. Acht Ladepunkte (DC-Charger) mit einer Ladeleistung von 3 x 400 kW, 3 x 240 kW und 2 x 160 kW stehen dort zur Verfügung. Als erste Nutzer der Ladeinfrastruktur konnten bereits namhafte Unternehmen gewonnen werden. Bis Mitte 2025/2026 sollen mit Wevelinghoven in Nordrhein-Westfalen und Alzey in Rheinland-Pfalz zwei weitere Standorte eigene Schnellladestationen erhalten. Ende 2025 sollte die TST-Flotte um 30 zusätzliche E-Lkw auf über 150 Nutzfahrzeuge insgesamt anwachsen, und im September 2025 ist „dragonize“ als eigene Marke für das überbetriebliche Ladenetz gestartet.

Gespräch und Besichtigung

Nach der Unternehmenspräsentation, in der Katrin Herda Strategie und Meilensteine anschaulich darstellte, folgte eine Besichtigung der Lkw-Ladestationen vor Ort.  Bemerkenswert ist der Anspruch, die deutschlandweit geplanten Ladestationen künftig stets mit einem „Social Hub“ zu verbinden – mit Bistro, WC und kleinem Laden –, um die Ladezeit für Fahrerinnen und Fahrer angenehmer zu gestalten und zugleich einen sozialen Ankerpunkt entlang der Logistikrouten zu schaffen.

Fazit

Der Besuch bei PamSun hat gezeigt, wie ein etablierter Logistikkonzern die Energiewende nicht nur als Verpflichtung, sondern als eigenständiges Geschäftsfeld begreift. Die Verbindung von Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und einem offenen, überbetrieblichen Netz wie „dragonize“ macht deutlich, dass der Schwerlastverkehr eine zentrale Rolle für das Gelingen der Verkehrswende spielen kann – vorausgesetzt, Unternehmen investieren mit dem nötigen Weitblick in eigene Energieinfrastruktur. Für unsere Region ist besonders erfreulich, dass Worms als Blaupause für den bundesweiten Ausbau dient und damit über den Standort hinaus Strahlkraft entfaltet. Der gute und offene Austausch mit Katrin Herda sowie mit der Landesvorsitzenden Carolin Cloos und dem grünen Kreisverband hat wichtige Impulse für die weitere politische Begleitung dieses Themas gegeben.

Mainz als Life Science Hub: Austausch bei biomindz Standortentwicklungsgesellschaft Mainz mbH

Gemeinsam mit Fabian Ehmann, Mitglied des Landtags, Christin Sauer, Landesvorsitzende der Grünen Rheinland-Pfalz, und Teresa Bicknell, Sprecherin der Grünen in Mainz, habe ich die biomindz Standortentwicklungsgesellschaft Mainz mbH besucht, um mir ein Bild vom Life Science- und Biotechnologie-Standort Mainz zu machen.

Von Seiten biomindz waren Felix Wälder, Geschäftsführer und zuständig für die ganzheitliche Standortentwicklung, Mike Peter Schweitzer, verantwortlich für die Standortvermarktung, sowie Stefan Kilian, strategischer Berater des Unternehmens unsere Gesprächspartner.

biomindz wurde als Gesellschaft in kommunaler Hand gegründet, um Start-ups und Unternehmen der Life Science- und Biotechnologie-Branche in Mainz bei Gründung und Wachstum zu unterstützen. Ziel ist es, die Landeshauptstadt zu einem international sichtbaren und erfolgreichen Biotechnologiestandort weiterzuentwickeln. Dabei versteht sich biomindz als One-Stop-Shop für Investoren, Start-ups und Unternehmen: Man berät mit Informationen und Kontakten und begleitet Investitions- sowie Ansiedlungsvorhaben professionell. Ein zentraler Baustein der Arbeit ist zudem die kontinuierliche Vernetzung mit den wesentlichen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um lokale wie überregionale Netzwerke zu stärken – ergänzt durch gezielte Marketing- und PR-Aktivitäten, die den Standort national und international bei einem relevanten Fachpublikum positionieren sollen.

Inhaltlich liegen die Schwerpunkte des Mainzer Ökosystems in der Immunologie und der individualisierten Medizin, mit einem klaren Fokus auf die Onkologie. Daneben bestehen große Stärken in der Diagnostik und Analytik sowie in weiteren zukunftsweisenden Life-Science-Technologien.

Der Austausch war insgesamt sehr fruchtbar und intensiv – nicht zuletzt, weil mit Kommunal-, Landes- und Bundesebene alle politischen Instanzen am Tisch vertreten waren. Das hat unserer Diskussion eine besondere Dichte gegeben und gezeigt, wie wichtig ein gemeinsames, ebenenübergreifendes Verständnis für die Weiterentwicklung des Life-Science-Technologie-Standorts ist.

Für mich ist klar: biomindz spielt eine wichtige Rolle für das Standortmarketing im Bereich Life Science in Mainz und der Region. Alle waren sich einig, den Kontakt eng und regelmäßig zu halten, um die weitere Entwicklung des Standorts gemeinsam zu begleiten.

Hidden Champion in der Pfalz: die Reline Europe GmbH in Rohrbach

Gemeinsam mit Simone Fischer-Gora und Andreas Fladung, Sprecherin und Sprecher des Grünen Kreisverbands Südliche Weinstraße, habe ich die Reline Europe GmbH in Rohrbach besucht. Vor Ort empfingen uns CEO Marc Stiebing und Thomas Reingruber, Director Global Sales & Marketing, zu einem informativen Austausch über das Unternehmen und seine Technologien.

Reline Europe beschreibt sich selbst als weltweit führendes Unternehmen im Bereich der grabenlosen Rohrleitungssanierung. Das Unternehmen bietet nicht nur innovative Technologien für unterschiedlichste Anforderungen, sondern auch wertvolles Know-how für die Planung und umweltschonende Durchführung individueller Sanierungsmaßnahmen – eine Kombination, die hilft, Ressourcen, Zeit und Kosten zu sparen und dabei hochwertige, nachhaltige und flexible Lösungen zu liefern.

Konkret stellt die Firma Lösungen für die schnelle Reparatur öffentlicher Kanalabwassersysteme her. Mit etwas mehr als 200 Mitarbeitenden ist Reline Europe ein bedeutender Arbeitgeber der Region. Bei einem Rundgang durch die Produktion konnten wir uns selbst ein Bild davon machen, wie viel reine Handarbeit in der Fertigung steckt – zahlreiche Arbeitsschritte sind nötig, bevor das fertige Produkt entsteht.

Besonders beeindruckt hat uns die Technik, die hinter den Produkten steht: Beschädigte Kanalisation führt über die Zeit zu erheblichen Wasserverlusten. Anstatt ganze Straßenzüge aufzureißen und die Verkehrsinfrastruktur damit lahmzulegen, hat Reline Europe eine Lösung entwickelt, bei der Kanalabschnitte mit einem Foliensystem ausgekleidet und anschließend mit speziell entwickelten UV-Lichtsystemen ausgehärtet werden. So lassen sich Rohre mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern sanieren – so einfach wie genial. Das Unternehmen verfügt zudem über eigenes Equipment, das etwa an Firmen vermietet wird, die nach intensiver Schulung befähigt sind, die sogenannten Alphaliner selbst auszubringen.

Die Erfolgsbilanz spricht für sich: Das System kommt bereits in 55 Ländern zum Einsatz, dabei wurden mehr als sieben Millionen Meter Folienschlauch verlegt.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Organisation des Besuchs sowie an CEO Marc Stiebing und CMO Thomas Reingruber für die spannenden Einblicke.

Stadtentwicklung in Trier Nord: Besuch bei der Wohnungsgenossenschaft am Beutelweg e.G. in Trier

Gemeinsam mit dem Grünen Kreissprecher Philipp Anton habe ich die Wohnungsgenossenschaft am Beutelweg e.G. (WOGEBE) in Trier besucht und mich mit Geschäftsführer Maximilian Landgraf über die Arbeit der Genossenschaft und die Entwicklung des Stadtbezirks Trier-Nord ausgetauscht.

Die WOGEBE wurde 1991 aus der Gemeinwesenarbeit des Bürgerhauses Trier-Nord heraus gegründet. Ziel war es von Anfang an, die problematische Wohn- und Lebenssituation der Menschen rund um die Straßen Am Beutelweg und Ambrosiusstraße zu verbessern – einem klassischen sozialen Brennpunkt mit schlechter Bausubstanz, niedrigem Bildungsstandard und hoher Arbeitslosigkeit. 1995 erweiterte die Genossenschaft ihr Portfolio um eine Konversionssiedlung mit Ein- und Zweifamilienhäusern des Landes, um die finanzielle Basis zu stärken und im Quartier unterschiedliche Wohnformen zu ermöglichen. Seit dem Jahr 2000 ist die WOGEBE im Auftrag der Stadt Trier Trägerin des Programms „Soziale Stadt“ Trier-Nord und bündelt in dieser Funktion bauliche und soziale Maßnahmen, einschließlich des Quartiersmanagements.

Herr Landgraf schilderte mir, dass die Genossenschaft heute Eigentümerin von rund 500 Wohnungen ist, die größtenteils auf Erbbaurechtsgrundstücken der Stadt Trier im Programmgebiet Soziale Stadt im Stadtbezirk Nells Ländchen stehen. Besonders beeindruckt hat mich das Konzept der „Integrativen Sanierung“, nach dem 90 Prozent des Bestands saniert wurden: Die bauliche Sanierung wird dabei mit der Beschäftigungsintegration der Bewohnerinnen und Bewohner sowie mit gemeinwesenorientierter Sozial- und Bildungsarbeit verbunden.

Auch bei der Finanzierung geht die WOGEBE eigene Wege. Bis 2010 wurden unter ihrer Federführung für die bauliche und soziale Entwicklung des Stadtbezirks Investitionen von über 54 Millionen Euro mobilisiert. Über die Tochterfirma HVS GmbH werden bis zu 20 Prozent der Bauleistungen als Eigenleistung der Bewohnerinnen und Bewohner im Sinne der Selbsthilfe eingebracht. Als aktuelles Beispiel stellte mir Herr Landgraf das Neubauprojekt in der Thyrsusstraße vor: elf Wohneinheiten, gefördert vom Land Rheinland-Pfalz mit Bundesmitteln, mit einer 30-jährigen Sozialbindung für einkommensschwache Haushalte und einer PV-Anlage samt Mieterstromangebot. Dank der Förderung können die Wohnungen für 7,45 Euro pro Quadratmeter an Haushalte mit geringem Einkommen vermietet werden.

Im Zentrum des Selbstverständnisses der WOGEBE steht die Schaffung, Erhaltung und Verbesserung von bezahlbarem Wohnraum für Menschen, Familien und Alleinerziehende mit geringen Chancen auf dem Wohnungsmarkt. Die Genossenschaft versteht sich als Vernetzerin relevanter Akteure vor Ort und als Mitgestalterin von Trier-Nord als zukunftsfähigem Gemeinwesen.

Beim anschließenden Rundgang durch das Viertel erklärte mir Herr Landgraf anhand einzelner Gebäude, wie sich das Quartier zusammensetzt und entwickelt hat. Deutlich wurde dabei, wie sehr das Quartiersmanagement zur Verbesserung der Lebensqualität und der Zukunftschancen der Menschen in Trier-Nord beigetragen hat – ein Beispiel dafür, wie bauliche Sanierung und soziale Arbeit erfolgreich zusammengedacht werden können.

Ich danke Herrn Landgraf für den offenen und informativen Austausch und den spannenden Einblick in die Arbeit der WOGEBE sowie Philipp Anton für die gemeinsame Organisation des Besuchs.

Informationstechnologie made in Rheinland-Pfalz: Austausch bei der telenetwork AG in Trier

Gemeinsam mit den Sprechern des Grünen Kreisverbands Trier, Philipp Anton und Nathalie Luther, habe ich die telenetwork AG in Trier besucht. Vor Ort empfing uns Peter Schömer, Vorstandsvorsitzender und Gründer des Unternehmens, zu einem ausführlichen und aufschlussreichen Gespräch.

Die telenetwork AG zählt zu den Technologie- und Innovationsführern im Bereich Informationstechnologie, Telekommunikation, technischer Infrastrukturen und digitaler Dienste in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Luxemburg. Seit der Gründung im Jahr 1999 hat sich das Unternehmen auf sichere Netzwerkinfrastrukturen, IT-Beratung und Metroport-Clouddienste spezialisiert und begleitet heute über 900 Kunden in Deutschland und Luxemburg – vom Weltkonzern über den Mittelstand bis zum kleinen Betrieb.

Besonders beeindruckt hat mich der persönliche Ansatz, den Peter Schömer und sein Team verfolgen: Statt auf anonyme Callcenter zu setzen, legt telenetwork bewusst Wert auf kurze, direkte Kommunikationswege mit den Kundinnen und Kunden. Dass sich daraus eine Weiterempfehlungsrate von nahezu 100 Prozent ergibt, spricht für sich.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Datensicherheit made in Trier: das Unternehmen betreibt zwei eigene, zertifizierte Rechenzentren an geografisch getrennten Standorten, in denen die Daten der Kunden gemäß den verbindlichen EU-Datenschutz- und Datensicherheitsvorgaben gespeichert werden – ein klares Bekenntnis gegen anonyme Datensilos irgendwo auf der Welt. Ergänzt wird das Angebot durch ein rund um die Uhr aktives Monitoring, mit dem Störungen frühzeitig erkannt und oft schon behoben werden, bevor Kundinnen und Kunden überhaupt etwas davon spüren.

Im Gespräch wurde deutlich, wie sehr telenetwork die digitale Transformation seiner Kunden schon lange vorausdenkt und dabei auf Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit setzt. Getragen wird dieser Erfolg von einem hochspezialisierten, erfahrenen Team mit auffallend geringer Fluktuation – ein Standortfaktor, der für die gesamte Region Trier von Bedeutung ist.

Der Besuch hat mir noch einmal vor Augen geführt, welch starke IT- und Telekommunikationskompetenz hier in unserer Region beheimatet ist – und wie wichtig es ist, dass solche innovativen Unternehmen aus Rheinland-Pfalz heraus auch überregional wachsen können.

Künftiges LEADER Projekt in Morbach? Besichtigung der Burg Baldenau mit den GRÜNEN Morbach

Bei meinem Besuch in Morbach traf ich mit Mitgliedern der grünen Stadtratsfraktion sowie weiteren Grünen-Mitgliedern zusammen, die mich an der Burg Baldenau empfingen. Der lang ersehnte Regen nach der vorangegangenen Trockenheit begleitete uns während des gesamten Besuchs – ein Umstand, den wohl niemand von uns an diesem Tag beklagt hat.

Die Burg Baldenau präsentiert sich in einem stark baufälligen Zustand. Bei der gemeinsamen Begehung wurde mir erläutert, dass eine frühere Restaurierung nicht fachgerecht durchgeführt wurde und die Bausubstanz dadurch heute erheblich in Mitleidenschaft gezogen ist. Die Schäden, die aus dieser unsachgemäßen Sanierung resultieren, sind deutlich sichtbar und machen weiteren Handlungsbedarf offenkundig.

Den Morbacher Grünen liegt viel daran, die Burg auch künftig touristisch nutzbar zu halten und das beliebte Burgfest weiterhin ausrichten zu können. Um die Anlage in Wert zu setzen, hat die Stadt Mittel aus dem europäischen LEADER-Fonds beantragt – ein wichtiger Schritt, um die notwendigen Sanierungsmaßnahmen finanziell abzusichern.

Ich habe mir selbst ein Bild vom Zustand des Mauerwerks gemacht und die seltene Gelegenheit genutzt, den Burgfried bis zur höchsten Ebene zu erklimmen – ein eindrucksvoller Blick, der die Bedeutung dieses Baudenkmals für die Region noch einmal unterstrichen hat.

Zum Abschluss unseres Besuchs wurden wir mit einem liebevoll zubereiteten Picknick und heißem Kaffee verwöhnt – ein herzlicher und stimmungsvoller Ausklang eines informativen Vormittags.

Ein „Dritter Ort“ in Boppard: die Jugendbegegnungsstätte (JBS) St. Michael

Meine Sommertour 2026 begann in meinem Heimatort Boppard, bei der Jugendbegegnungsstätte (JBS) St. Michael. Als Jugendlicher habe ich hier selbst Zeit verbracht und beispielsweise als Schüler des lokalen Gymnasiums einen Karnevalswagen in der JBS gebaut. Umso schöner war es, in anderer Funktion zurückzukehren und zu sehen, was sich entwickelt hat – und was geblieben ist.

Empfangen hat mich Hermann Schmitt, Diplom-Pädagoge sowie Gestalt- und systemischer Berater, der die JBS leitet. Im Gespräch mit ihm wurde schnell klar, worum es hier im Kern geht: um eine offene Kinder- und Jugendarbeit, die sich konsequent an den Wünschen und Bedarfen der jungen Menschen und der Kooperationspartner*innen orientiert – nicht an starren Programmen. Diese Offenheit ist Programm: Alle Kinder und Jugendlichen sollen sich angenommen fühlen können, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, sozialem Status oder Religionszugehörigkeit. Nur für ausgrenzende Positionen ist in der JBS kein Platz. Ein klares Bekenntnis, das mir imponiert hat und das ich mir an vielen anderen Stellen ebenso wünsche.

Trägerschaft und pädagogische Haltung

Trägerin der JBS St. Michael ist die Katholische Kirchengemeinde Mittelrhein St. Josef, Boppard. Die Kirchengemeinde sieht in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einen Schwerpunkt ihrer diakonisch-missionarischen Arbeit – daraus erklärt sich auch ihr Engagement als Trägerin.

Die pädagogische Haltung der JBS orientiert sich am Verhaltenskodex der Abteilung Jugend (Zentralbereich 1.6) des bischöflichen Generalvikariats – ein verbindlicher Rahmen, der Kindern, Jugendlichen und Eltern Sicherheit gibt.
Finanzierung – eine freiwillige, aber wichtige Leistung

Die JBS wird von drei Seiten getragen:
Bistum Trier: 50 % der Personalkosten, 50 % der Sachkosten
Stadt Boppard: 32,5 % der Personalkosten, 50 % der Sachkosten (Kreiszuschuss)
Rhein-Hunsrück-Kreis: 17,5 % der Personalkosten, 4.000 € Sachkostenzuschuss

Bemerkenswert – und aus meiner Sicht auch etwas, worüber man reden muss: Für alle drei Finanziers zählt die Förderung der JBS zu den freiwilligen Leistungen, auf die kein Rechtsanspruch besteht. Dass Bistum, Stadt und Landkreis sich dennoch Jahr für Jahr dazu bekennen, zeigt, welchen Stellenwert offene Kinder- und Jugendarbeit und Jugendbildungsarbeit hier vor Ort tatsächlich hat. Dafür gebührt allen dreien ausdrücklicher Dank – auch wenn ich mir mittelfristig eine verlässlichere, strukturell abgesicherte Finanzierung wünschen würde, damit gute Arbeit nicht jedes Jahr neu um ihre Grundlage bangen muss.

Die Räume – gewachsen und gut genutzt

Die JBS verfügt über ein beachtliches Raumangebot: drei Gruppenräume, zwei Proberäume, einen Partyraum/Disco, einen Tischtennisraum, einen Werkraum, einen Multimediaraum, einen Computerraum mit sieben vernetzten Arbeitsplätzen, zwei Büros für Hausmeister und Leitung, die zwei Räume des Jugendraums sowie eine mitnutzbare Küche. Dauerhafte Nutzer*innen wie Bands oder die lokalen Pfadfinder verfügen über eigene Schlüssel – ein Zeichen dafür, wie sehr die JBS als verlässlicher Dritter Ort im Bopparder Vereins- und Gemeindeleben verankert ist.

Mein Fazit

Der Auftakt meiner Sommertour hätte kaum passender sein können. Die JBS St. Michael ist für mich mehr als nur eine Station im Terminkalender – sie ist ein Stück eigene Jugend und zugleich ein Ort, der zeigt, wie professionelle, offene Jugendarbeit heute aussehen kann: bedarfsorientiert, vorurteilsfrei und eng mit Schulen, Kirche und Kommune verzahnt. Umso mehr beeindruckt mich, mit welch schmalem hauptamtlichem Personal und wie viel ehrenamtlichem Engagement dieses vielfältige Angebot auf die Beine gestellt wird.

Mein Dank gilt Hermann Schmitt und seinem Team für die Zeit, die Offenheit und die Einblicke – und dafür, dass sie jungen Menschen in Boppard seit Jahren einen Ort geben, an dem sie sich, so wie sie sind, angenommen fühlen können. Für die politische Arbeit nehme ich vor allem eine Frage mit: Wie können wir Angebote wie die JBS, die als „freiwillige Leistung“ eingestuft sind, langfristig verlässlicher absichern – damit gute Jugendarbeit nicht jedes Jahr neu verhandelt werden muss.

Meine Sommertour 2026

Von Berlin aus lässt sich vieles leicht sagen, aber die eigentlichen Fragen und Lösungen findet man vor Ort – bei den Betrieben, Initiativen und Projekten, die zeigen, wie lokale Wertschöpfung, Nachhaltigkeit und Innovation in der Praxis funktionieren.


Mir ist es wichtig, nicht nur über unsere Regionen und ihre Themen zu sprechen, sondern mit den Menschen, die in Rheinland-Pfalz leben, arbeiten und wirken. So bekomme ich für meine politische Arbeit ein realistisches Bild davon, was vor Ort tatsächlich wichtig ist und gebraucht wird.


Gleichzeitig ist mir der Austausch mit den grünen Kreisverbänden und aktiven Mitgliedern vor Ort wichtig. Meine Sommertour ist eine Gelegenheit, gemeinsam sichtbar zu sein und die Verbindung zwischen Bundes- und Kommunalebene zu stärken.


Für mich ist diese Tour deshalb kein reiner Termin-Marathon, sondern ein fester Bestandteil meiner Arbeit als Abgeordneter: zuhören, informieren und die Themen der Regionen direkt mit den Menschen besprechen, die davon betroffen sind.

Hier findet ihr mich während meiner Sommertour: