Eindrücke aus den USA: Zwischen Trumponomics, kommunaler Diplomatie und transatlantischen Realitäten

In der vergangenen Woche hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen einer Dienstreise vier Tage in Washington, D.C., und zwei Tage in Columbia (South Carolina) zu verbringen — eine intensive und zugleich aufschlussreiche Reise durch zwei sehr unterschiedliche Teile der Vereinigten Staaten.

Während in der Hauptstadt Gespräche mit Thinktanks und Regierungsvertreter*innen im Mittelpunkt standen, waren es im Südosten vor allem praxisnahe Begegnungen und lokale Perspektiven, die den Aufenthalt geprägt haben. Insgesamt ergab sich so ein vielschichtiges Bild eines Landes im Wandel.

Politische Lage

In vielen Gesprächen wurde deutlich, wie angespannt und gleichzeitig unübersichtlich die politische Situation derzeit ist. Die Zustimmungswerte von Donald Trump sind auf einem Tiefpunkt, die Epstein-Akten weiterhin nur teilweise veröffentlicht, und personelle Veränderungen im Kabinett setzen sich fort. Gleichzeitig läuft die militärische „Operation“ im Iran weiter — von einem republikanischen Gesprächspartner wurde sie mir als „großer Erfolg“ beschrieben, eine Einschätzung, die meiner Auffassung komplett widerspricht.

Nach außen wirkt die Republikanische Partei weiterhin geschlossen hinter Trump. Im Inneren zeigen sich jedoch deutliche Bruchlinien: zwischen einem extrem rechten Flügel (MAGA & Co.) und moderateren, wenn auch klar konservativen und rechten Kräften. Diese Spannungen spiegeln sich auch in der Thinktank-Landschaft wider. Mehrere Republikaner haben die Heritage Foundation verlassen, die laut einem ehemaligen Mitarbeiter zunehmend eine „Blood-and-Soil“-Ideologie vertrete.

Auf der anderen Seite suchen die Demokraten noch nach Orientierung. Wer könnte das Gesicht kommender Wahlkämpfe sein? Welche Rolle spielen Klima- und Industriepolitik, welche die KI-Entwicklung? Viele Fragen stehen im Raum — überzeugende Antworten sind bislang rar.

Wirtschafts- und Industriepolitik

Ein zentrales Thema war immer wieder die wirtschaftspolitische Ausrichtung der USA. Zölle bleiben ein Kerninstrument der Trump-Strategie — ursprünglich als Mittel zur Reindustrialisierung gedacht, inzwischen aber ebenso als Einnahmequelle und geopolitisches Druckmittel genutzt.

Weite Teile von „Bidenomics“ (der Wirtschaftspolitik unter Joe Biden) und dem Inflation Reduction Act (IRA) wurden unter der neuen Regierung zurückgefahren. Dennoch ist klar: Industrie- und Klimapolitik sind keineswegs verschwunden. Vielmehr suchen progressive Akteure nach neuen Allianzen und Narrativen. Dabei zeigen sich deutliche Parallelen zu Europa. Auch hier stellt sich die Frage, wie sich die ökologische Transformation mit den konkreten Alltagsproblemen der Menschen verbinden lässt — insbesondere angesichts steigender Lebenshaltungskosten.

Gleichzeitig werden die Risiken fossiler Abhängigkeiten immer sichtbarer. Während China massiv in Zukunftstechnologien wie Elektromobilität, Elektrolyseure und Batteriespeicher investiert, setzt die US-Regierung andere Prioritäten und schwächt ganze Cleantech-Bereiche wie die Offshore-Windenergie. In Gesprächen kristallisierte sich zudem ein klares Bild der Machtverhältnisse innerhalb der Administration heraus: Auf der einen Seite stehen harte Isolationisten („tariffs over everything“), auf der anderen Seite einflussreiche Tech-Akteure. Der globale Wettlauf um die Führungsrolle im Bereich Künstliche Intelligenz ist dabei zu einer zentralen Leitlinie geworden — mit Auswirkungen von der Rechenzentrums-Infrastruktur bis hin zur Rohstoffpolitik.

Transatlantische Beziehungen und die Rolle der Bundesstaaten

Natürlich waren auch die transatlantischen Beziehungen ein wiederkehrendes Thema. Sie scheinen zunehmend von einem nüchternen Pragmatismus geprägt zu sein. Ein Ökonom formulierte es mir gegenüber im Gespräch zugespitzt: Die USA interessierten sich für Europa vor allem dann, wenn sie selbst unmittelbar betroffen sind — etwa bei Regulierungsfragen.

Das zeigt sich deutlich in der kritischen Haltung gegenüber europäischer Tech-Regulierung. Gleichzeitig habe ich viele engagierte Akteur*innen getroffen, die sich aktiv für eine stärkere transatlantische Zusammenarbeit einsetzen. Besonders auffällig war dabei die Dynamik auf Ebene der Bundesstaaten und Städte. Trotz anderer Prioritäten auf Bundesebene bleibt das Engagement hier hoch. Lokale Entscheidungsträger entwickeln sich zunehmend zu wichtigen Trägern transatlantischer Beziehungen. South Carolina ist dafür ein gutes Beispiel: Der Bundesstaat bleibt ein wichtiger Partner für Deutschland — insbesondere auch für meine Heimatregion Rheinland-Pfalz.

Jenseits der Politik

Was mir neben all den politischen und wirtschaftlichen Themen besonders in Erinnerung bleibt, sind die Menschen. Viele der Begegnungen waren geprägt von Offenheit, Nachdenklichkeit und einem bemerkenswerten Optimismus — sowohl in Washington als auch in Columbia.
Die transatlantischen Beziehungen mögen komplex sein. Aber ihr Fundament ist lebendig. Und es lohnt sich, weiter daran zu arbeiten und im Austausch zu bleiben.

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