Future Cleantech Festival in Remscheid: Klimaschutz braucht Industriepolitik

Wie sichern wir Wertschöpfung, gute Arbeitsplätze und Wohlstand in Deutschland – und werden gleichzeitig klimaneutral? Genau um diese Frage ging es beim Future Cleantech Festival in Nordrhein-Westfalen.

Denn klar ist: Klimaschutz ist eine industriepolitische Kernaufgabe. Gerade in energieintensiven Branchen wie Stahl, Zement oder Chemie entscheidet sich, ob Deutschland auch künftig Industrieland bleibt – oder ob Wertschöpfung, Innovationen und gute Jobs abwandern.

Wer heute in nachhaltige Industrie investiert, sichert morgen Wohlstand und schützt gleichzeitig unsere Lebensgrundlagen.

Ein Schwerpunkt des Festivals war die Stahlindustrie. Gemeinsam mit Felix Banaszak hatte ich zuletzt eine Kleine Anfrage zur Zukunft der Branche gestellt, über die unter anderem die Rheinische Post berichtet hat. Die Antworten der Bundesregierung zeigen: Der Druck ist hoch, gleichzeitig fehlt es an Planungssicherheit, Infrastruktur und einem entschlossenen Hochlauf von Wasserstoff. Genau das gefährdet Investitionen in klimafreundliche Produktion.

Umso wichtiger ist eine aktive Industriepolitik, die Unternehmen nicht allein lässt, sondern klare Rahmenbedingungen setzt: für grünen Stahl, klimafreundlichen Beton, saubere Energie und funktionierende Leitmärkte.

Ein Thema, das dabei viel zu selten im Mittelpunkt steht, obwohl es uns alle betrifft, ist die öffentliche Beschaffung.

Beim Roundtable des Future Cleantech Festivals wurde deutlich: Wenn der Staat Milliarden für Brücken, Schienen, Schulen, Wohnungen und öffentliche Gebäude ausgibt, muss dieses Geld konsequent als Hebel für Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit genutzt werden.

Warum sollten öffentliche Bauprojekte nicht gezielt grünen Stahl, klimafreundlichen Zement und ressourcenschonende Materialien nachfragen? Genau so entstehen Märkte für klimafreundliche Produkte. Genau so bekommen Unternehmen Planungssicherheit. Und genau so wird aus Innovation industrielle Realität.

Dass solche Lösungen längst entwickelt werden, zeigte auch ein Forschungsprojekt der Universität Stuttgart. Vor Ort wurde eine neuartige Holzdecke vorgestellt, die CO₂ einspart, weniger Material benötigt und sogar einem Live-Belastungstest unterzogen wurde. Solche Innovationen zeigen, was möglich ist, wenn Forschung, Industrie und Politik zusammenkommen.

Peter Schniering, CEO von Future Cleantech Architects bei der Vorstellung der Universal Timber Slab Installation

Zum Abschluss stand die Vorstellung eines Berichts zur Zukunft des Bauens im Mittelpunkt. Die zentrale Frage: Wie schaffen wir es, die enormen Investitionen in Gebäude und Infrastruktur mit Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden?

Hier geht’s zum Bericht

Die Antwort ist klar: Ohne klimafreundlichen Stahl, Zement, Beton und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft wird die Transformation des Bausektors nicht gelingen. Gerade der Gebäudesektor und die Bauwirtschaft haben enormes Potenzial, Emissionen zu senken, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig industrielle Wertschöpfung zu sichern.

Dafür brauchen wir jetzt die richtigen politischen Rahmenbedingungen – und den Mut, Innovationen schneller in die Praxis zu bringen. Denn die Technologien sind da. Die Unternehmen sind bereit. Jetzt muss die Politik dafür sorgen, dass klimafreundliches Bauen und nachhaltige Industrieproduktion zum Standard werden.