Meine Sommertour 2026 begann in meinem Heimatort Boppard, bei der Jugendbegegnungsstätte (JBS) St. Michael. Als Jugendlicher habe ich hier selbst Zeit verbracht und beispielsweise als Schüler des lokalen Gymnasiums einen Karnevalswagen in der JBS gebaut. Umso schöner war es, in anderer Funktion zurückzukehren und zu sehen, was sich entwickelt hat – und was geblieben ist.
Empfangen hat mich Hermann Schmitt, Diplom-Pädagoge sowie Gestalt- und systemischer Berater, der die JBS leitet. Im Gespräch mit ihm wurde schnell klar, worum es hier im Kern geht: um eine offene Kinder- und Jugendarbeit, die sich konsequent an den Wünschen und Bedarfen der jungen Menschen und der Kooperationspartner*innen orientiert – nicht an starren Programmen. Diese Offenheit ist Programm: Alle Kinder und Jugendlichen sollen sich angenommen fühlen können, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, sozialem Status oder Religionszugehörigkeit. Nur für ausgrenzende Positionen ist in der JBS kein Platz. Ein klares Bekenntnis, das mir imponiert hat und das ich mir an vielen anderen Stellen ebenso wünsche.
Trägerschaft und pädagogische Haltung
Trägerin der JBS St. Michael ist die Katholische Kirchengemeinde Mittelrhein St. Josef, Boppard. Die Kirchengemeinde sieht in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einen Schwerpunkt ihrer diakonisch-missionarischen Arbeit – daraus erklärt sich auch ihr Engagement als Trägerin.
Die pädagogische Haltung der JBS orientiert sich am Verhaltenskodex der Abteilung Jugend (Zentralbereich 1.6) des bischöflichen Generalvikariats – ein verbindlicher Rahmen, der Kindern, Jugendlichen und Eltern Sicherheit gibt.
Finanzierung – eine freiwillige, aber wichtige Leistung
Die JBS wird von drei Seiten getragen:
Bistum Trier: 50 % der Personalkosten, 50 % der Sachkosten
Stadt Boppard: 32,5 % der Personalkosten, 50 % der Sachkosten (Kreiszuschuss)
Rhein-Hunsrück-Kreis: 17,5 % der Personalkosten, 4.000 € Sachkostenzuschuss
Bemerkenswert – und aus meiner Sicht auch etwas, worüber man reden muss: Für alle drei Finanziers zählt die Förderung der JBS zu den freiwilligen Leistungen, auf die kein Rechtsanspruch besteht. Dass Bistum, Stadt und Landkreis sich dennoch Jahr für Jahr dazu bekennen, zeigt, welchen Stellenwert offene Kinder- und Jugendarbeit und Jugendbildungsarbeit hier vor Ort tatsächlich hat. Dafür gebührt allen dreien ausdrücklicher Dank – auch wenn ich mir mittelfristig eine verlässlichere, strukturell abgesicherte Finanzierung wünschen würde, damit gute Arbeit nicht jedes Jahr neu um ihre Grundlage bangen muss.
Die Räume – gewachsen und gut genutzt
Die JBS verfügt über ein beachtliches Raumangebot: drei Gruppenräume, zwei Proberäume, einen Partyraum/Disco, einen Tischtennisraum, einen Werkraum, einen Multimediaraum, einen Computerraum mit sieben vernetzten Arbeitsplätzen, zwei Büros für Hausmeister und Leitung, die zwei Räume des Jugendraums sowie eine mitnutzbare Küche. Dauerhafte Nutzer*innen wie Bands oder die lokalen Pfadfinder verfügen über eigene Schlüssel – ein Zeichen dafür, wie sehr die JBS als verlässlicher Dritter Ort im Bopparder Vereins- und Gemeindeleben verankert ist.
Mein Fazit
Der Auftakt meiner Sommertour hätte kaum passender sein können. Die JBS St. Michael ist für mich mehr als nur eine Station im Terminkalender – sie ist ein Stück eigene Jugend und zugleich ein Ort, der zeigt, wie professionelle, offene Jugendarbeit heute aussehen kann: bedarfsorientiert, vorurteilsfrei und eng mit Schulen, Kirche und Kommune verzahnt. Umso mehr beeindruckt mich, mit welch schmalem hauptamtlichem Personal und wie viel ehrenamtlichem Engagement dieses vielfältige Angebot auf die Beine gestellt wird.
Mein Dank gilt Hermann Schmitt und seinem Team für die Zeit, die Offenheit und die Einblicke – und dafür, dass sie jungen Menschen in Boppard seit Jahren einen Ort geben, an dem sie sich, so wie sie sind, angenommen fühlen können. Für die politische Arbeit nehme ich vor allem eine Frage mit: Wie können wir Angebote wie die JBS, die als „freiwillige Leistung“ eingestuft sind, langfristig verlässlicher absichern – damit gute Jugendarbeit nicht jedes Jahr neu verhandelt werden muss.