Diese Woche blickt die Welt nach Belém: In Brasilien startet die 30. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Während Staaten aus aller Welt um ehrgeizige Ziele und konkrete Schritte ringen, steht auch Europa auf dem Prüfstand.
Denn während Bundeskanzler Friedrich Merz weiter von „Führung“ in der Klimapolitik spricht, bröckelt die Substanz. Das neue 2040-Ziel sieht zwar eine Emissionsminderung von 90 Prozent vor – doch bis zu fünf Prozent davon dürfen über internationale CO₂-Kredite angerechnet werden. Das ist nicht wirklich ehrgeizig, sondern schwächt die reale Klimawirkung des Ziels.
Auch das neue Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr (ETS2) wurde auf 2028 verschoben. Damit verliert die EU weitere wertvolle Jahre im Kampf gegen die Klimakrise. Hinzu kommt: Brüssel hat bereits zwei Fristen zur Vorlage seines aktualisierten Klimaplans verpasst. Statt klarer Ambitionen steht nun ein Kompromiss, der mehr Unsicherheit als Orientierung bietet.
Verantwortung statt Symbolpolitik
Echte Führung heißt, Verantwortung zu übernehmen – nicht sie auszulagern.
Das bedeutet: investieren in Innovation, CO₂-Entnahme und saubere Industrien. Der europäische Green Deal war ursprünglich als neues Wohlstandsmodell gedacht – als Beweis, dass Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke sich gegenseitig befördern können.
Doch wenn Flexibilität immer häufiger Ambition ersetzt, verliert Europa seine Glaubwürdigkeit – und mit ihr auch seine Führungsrolle im globalen Klimaschutz.
Was jetzt zählt
Wenn die EU ihre Rolle als globale Klimavorreiterin behalten will, braucht es mehr als Worte.
Es braucht Entscheidungen, die wirken – und die zeigen, dass Europa es ernst meint.
Denn nur durch sichtbares Handeln entsteht Vertrauen. Und nur mit glaubwürdiger Führung kann Europa die weltweite Klimapolitik weiter prägen.
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Originalbeitrag von Julian Joswig bei Carnegie Europe
Julian Joswig
Member of the German Bundestag, Alliance 90/The Greens
Leadership depends on credibility, not concessions. As COP30 opens in Brazil, global ambition is fading and Europe’s once-confident climate leadership is faltering. The EU once led by setting clear, credible rules from carbon pricing to clean-tech regulation. That clarity made it a global benchmark. But credibility erodes when ambition becomes negotiable.
Brussels has already missed two deadlines to submit its updated climate plan to the UN. Now, on the eve of COP30, member states have agreed only on a vague plan to cut emissions by 66.25–72.5 percent below 1990 levels. This last minute compromise signals hesitation, not leadership.
Other outcomes from the latest meeting of the environment configuration of the Council of the EU, which took place on November 4, are equally discouraging. Ministers approved a 90 percent emission reduction goal for 2040, but up to 5 percent can be met through international carbon credits—effectively reducing the real effort to 85 percent. The one year delay of the new emissions trading system—ETS2—for buildings and transport is another setback.
True leadership means leading by example—investing in carbon removal, clean industries, and innovation—not outsourcing responsibility. The EU’s Green Deal was meant to define a new model of prosperity, proving that climate ambition and economic strength can go hand in hand. But if flexibility keeps replacing ambition, Europe won’t just lose its leadership role, it will weaken the world’s fight against climate change.