Ehrenamtliches Engagement ist die tragende Säule unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts. Deshalb bin ich diese Woche in der Eifel und im Hunsrück unterwegs, um genau hinzuschauen, mit anzupacken und um einfach auch mal „Danke“ zu sagen.
Zivilgesellschaftliches Engagement hat viele Gesichter. Ob im Sportverein, im kulturellen Bereich oder in sozialen Organisationen – für jede und jeden ist etwas dabei! Wusstet ihr, dass sich in Rheinland-Pfalz fast 1,5 Millionen Menschen in über 40.700 zivilgesellschaftlichen Organisationen ehrenamtlich engagieren? Damit sind wir das Ehrenamtsland Nummer 1!
Und das Beste: Wer etwas von seiner Zeit gibt, bekommt oft viel mehr zurück – Freude, Dankbarkeit und Freundschaften fürs Leben. Diese Woche ist übrigens auch die Woche für bürgerschaftliches Engagement, welche unter dem Motto „Miteinander Zukunft gestalten“ stattfindet. Mit der Kampagne „Engagement macht stark!“ macht das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement die Vielfalt und Bedeutung von Engagement sichtbar – zuletzt mit rund 20.000 Aktionen und Veranstaltungen bundesweit.
Vergangene Woche schrieb Katherina Reiche einen Gastbeitrag mit dem hochgestochenen Titel “Deutschlands neue Gründerzeit”. Darin forderte sie einen Fonds für den innovativen Mittelstand. Klingt erstmal gut. Passt nur leider ganz und gar nicht zu dem, was ihr eigenes Ministerium gerade macht.
Förderstopp mitten in der Gründerzeit
Seit dem 7. Juli 2026 nimmt das Wirtschaftsministerium keine neuen Anträge im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) mehr an. Dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages musste Reiche deshalb diese Woche einen Bericht vorlegen, in dem sie erklärt, warum ausgerechnet jetzt das wichtigste Förderprogramm für den Mittelstand gestrichen wird.
Der Widerspruch
Reiche wirbt für ihren Fonds, weil er privates Kapital mobilisiere. Aber genau das leistet das ZIM längst: Jeder geförderte Euro löst 1,90 Euro an Forschungsausgaben aus, 90 Cent davon kommen von den Unternehmen selbst. Die Wirkung, die Reiche als Zukunftsvision verkauft, bremst ihr eigenes Ministerium im laufenden Programm gerade aus.
Der Mittelstandsverband BVMW hat deshalb einen Brandbrief an die Ministerin geschickt. Der Verband Innovativer Unternehmen nennt den Stopp einen “Schlag ins Gesicht”. Meine Frage an Frau Reiche: Wie passt ein Gastbeitrag über die “neue Gründerzeit” zu einem Förderstopp mitten in der größten Nachfragewelle, die das Programm je gesehen hat?
Vertrauen lässt sich nicht ankündigen
Es überrascht mich kein bisschen, dass Katherina Reiche immer unbeliebter wird. Laut Forsa halten drei von vier Befragten sie für die falsche Besetzung im Wirtschaftsministerium. Wer öffentlich für Investitionen wirbt und im eigenen Haus das wirksamste Förderinstrument einfrieren lässt, muss sich nicht wundern, wenn ihm das niemand mehr abkauft.
Ankündigungen ersetzen keine Politik. Und Vertrauen bekommt man nicht mit Gastbeiträgen zurück, sondern mit Verlässlichkeit.
Die Bundesregierung verspricht eine Reform der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS), bleibt bei schnelleren Verfahren, einer tragfähigen Finanzierung und klaren Zuständigkeiten aber vage. Einen verbindlichen Zeitplan oder messbare Ziele für schnellere Verfahren nennt sie in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen nicht. Gleichzeitig bereitet das Wirtschaftsministerium eine erneute Anpassung der Gebührenverordnung vor.
Besonders kritisch ist die finanzielle Lage der DAkkS. Bereits im Bericht für 2024 wurde vor erheblich gestiegenen Risiken für Ergebnis und Liquidität gewarnt. Inzwischen hat sich die Situation nach Angaben der DAkkS weiter verschlechtert. Unter pessimistischen Szenarien könne sogar die Zahlungsfähigkeit gefährdet sein. Die Bundesregierung erklärt dennoch, bislang seien „mangels Erforderlichkeit“ keine speziellen Stabilisierungsmaßnahmen eingeleitet worden.
Julian Joswig, Bundestagsabgeordneter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Obmann im Europaausschuss und Berichterstatter für Industriepolitik im Ausschuss für Wirtschaft und Energie, erklärt:
„Wer Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratieabbau verspricht, muss dort handeln, wo Unternehmen konkret Zeit und Geld verlieren. Bei der DAkkS besteht seit Langem Reformbedarf. Die Bundesregierung erkennt das an, liefert aber keinen verbindlichen Fahrplan dafür, wann Akkreditierungen endlich schneller, digitaler und effizienter werden.
Besonders irritierend ist der Umgang mit der finanziellen Lage. Die Bundesregierung sieht keinen Bedarf für Stabilisierungsmaßnahmen, obwohl sich die Liquiditätssituation laut DAkkS weiter verschlechtert hat und unter pessimistischen Szenarien sogar die Zahlungsfähigkeit gefährdet sein könnte. Das passt nicht zusammen.
Statt die strukturellen Probleme zu lösen, wird bereits die nächste Anpassung der Gebührenverordnung vorbereitet. Schon heute sind die Kosten für viele kleine und mittelständische Labore eine erhebliche Belastung. Die finanzielle Schieflage der DAkkS darf deshalb nicht einfach durch höhere Gebühren auf Unternehmen und Prüflabore abgewälzt werden.
Wenn Akkreditierungen stocken, verzögern sich Prüfungen, Zertifizierungen und der Marktzugang neuer Produkte. Das kostet Unternehmen Geld, schafft Planungsunsicherheit und wird zum Standortnachteil. Gerade mit KI-Verordnung, Cyber Resilience Act und Maschinenverordnung darf Deutschland nicht zum Flaschenhals für Innovation werden.
Wirtschaftsministerin Reiche muss jetzt aus den Eckpunkten einen verbindlichen Reformfahrplan machen: für kürzere und digitalisierte Verfahren, bezahlbare und planbare Gebühren, eine langfristig tragfähige Finanzierung und eine dauerhaft handlungsfähige Geschäftsführung. Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch Sonntagsreden, sondern durch Strukturen, die funktionieren.“
Demokratie ist nicht nur eine Frage von Wahlen und Parlamenten. Sie ist auch eine Voraussetzung für ein wirtschaftlich starkes und politisch handlungsfähiges Europa. Mit der Berlin Democracy Declaration beteiligt sich die Europäische Bewegung Deutschland am New Democratic Pact for Europe des Europarates.
Rechtsstaatlichkeit, Vertrauen in Institutionen und klare demokratische Regeln schaffen die Grundlage dafür, dass Unternehmen langfristig planen und investieren können und wir gesellschaftliche Konflikte friedlich austragen.
Dass Demokratie und Wirtschaft zusammengehören, sehen auch Unternehmen so: 78 Prozent halten demokratische Stabilität für relevant für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens. 81 Prozent sehen wirtschaftliche Akteure selbst in der Verantwortung, zum Schutz der Demokratie beizutragen. Und 62 Prozent betrachten den politischen Einfluss von Akteuren, die demokratische Grundsätze infrage stellen, als wirtschaftliches Risiko.
Demokratie findet nicht nur im Parlament statt
Gleichzeitig dürfen wir Demokratie nicht auf staatliche Institutionen reduzieren. Sie lebt überall dort, wo Menschen sich organisieren, Interessen vertreten, Verantwortung übernehmen und Kompromisse aushandeln: in Vereinen und Verbänden, Gewerkschaften, Unternehmen und Jugendorganisationen.
Diese Orte sind ein wichtiger Teil unserer demokratischen Kultur. Hier erleben Menschen ganz konkret, dass unterschiedliche Interessen ausgehandelt, gemeinsame Entscheidungen getroffen und Verantwortung übernommen werden kann. Auch deshalb müssen wir sie mitdenken, wenn wir darüber sprechen, wie wir unsere Demokratie widerstandsfähiger machen.
Genau darum geht es beim New Democratic Pact for Europe. Der Europarat hat einen europaweiten Prozess angestoßen, um gemeinsam mit Regierungen, Parlamenten und Zivilgesellschaft Antworten auf die Herausforderungen für Europas Demokratien zu entwickeln.
Fünf Vorschläge aus Deutschland
Die Europäische Bewegung Deutschland beteiligt sich an diesem Prozess mit der Berlin Democracy Declaration. Im Mittelpunkt steht dabei eine Perspektive, die in der Debatte um demokratische Resilienz noch zu selten berücksichtigt wird: die Verbindung von Demokratie und Wirtschaft.
Mit der Berlin Democracy Declaration schlagen wir fünf konkrete Schwerpunkte vor:
die wirtschaftliche Dimension demokratischer Resilienz systematisch verankern,
Vereinigungsfreiheit und organisierte Zivilgesellschaft als Grundlagen einer pluralistischen Demokratie stärken,
Jugendbeteiligung und demokratische Verantwortung im Kleinen fördern,
politische Bildung, Menschenrechte und Resilienz im digitalen Zeitalter stärken und
Integrität, Transparenz und Korruptionsbekämpfung ausbauen.
Für mich kommen dabei zwei meiner europäischen Rollen zusammen: Als Vizepräsident der Europäischen Bewegung Deutschland und stellvertretendes Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates will ich dazu beitragen, dass wir Demokratie nicht nur abstrakt diskutieren, sondern ganz konkret stärken.
Denn Europa steht wirtschaftlich und politisch vor großen Herausforderungen. Um sie gemeinsam bewältigen zu können, brauchen wir verlässliche Institutionen, eine aktive Zivilgesellschaft und Menschen und Unternehmen, die Verantwortung übernehmen.
Ein wirtschaftlich starkes und politisch handlungsfähiges Europa braucht starke Demokratien.
Bis zu 1.860 Arbeitsplätze, wichtige Produktionskapazitäten und wertvolles biotechnologisches Know-how stehen auf dem Spiel. Eine Kleine Anfrage von Julian Joswig, Bundestagsabgeordneter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Obmann im Europaausschuss und Berichterstatter für Industriepolitik im Ausschuss für Wirtschaft und Energie zeigt: Die Bundesregierung wusste frühzeitig von den BioNTech-Plänen, Gespräche mit potenziellen Investoren kann sie trotzdem nicht vorweisen.
Joswig erklärt dazu:
„Die Antwort auf meine Kleine Anfrage zeigt: Die Bundesregierung wurde von BioNTech bereits vor der öffentlichen Bekanntgabe über Stellenabbau, Standortschließungen und die Neuaufstellung informiert. Gleichzeitig erklärt sie, dass keine Gespräche mit potenziellen Investoren bekannt sind. Das ist ein Offenbarungseid. Wenn bis zu 1.860 Arbeitsplätze und wichtige Produktionskapazitäten in Deutschland auf dem Spiel stehen, darf die Bundesregierung nicht zuschauen!“
BioNTech steht wie kaum ein anderes Unternehmen für die Innovationskraft des deutschen und rheinland-pfälzischen Biotechnologiestandorts. Die Beschäftigten haben in der Pandemie Außergewöhnliches geleistet. Ihr Wissen in mRNA-Technologie, Impfstoffentwicklung und biopharmazeutischer Produktion ist ein strategischer Wert für Deutschland und Europa. Dieses Know-how darf nicht verloren gehen.
Die Antwort der Bundesregierung ist ernüchternd: Sie war bereits vor der öffentlichen Bekanntgabe informiert, kann aber seit Bekanntwerden der Schließungspläne keine Gespräche mit potenziellen Investoren benennen. Auf die ausdrückliche Frage nach Gesprächen unter anderem mit Moderna lautet die Antwort schlicht: „Es sind keine dementsprechenden Gespräche bekannt.“
„Als Anteilseigner an BioNTech muss die Bundesregierung erklären, welche Interessen sie mit Blick auf Standorte und Beschäftigung bei der Transaktion abgesichert hat. Dass sie lediglich auf fehlende Einflussmöglichkeiten verweist, kann keine Antwort sein. Merz, Reiche und Linnemann müssen dringend aktiv werden und Gespräche führen – mit BioNTech, den Betriebsräten, Gewerkschaften, Ländern und Kommunen sowie selbstverständlich auch mit potenziellen Investoren wie etwa Moderna.“
Der Bund ist inzwischen selbst Aktionär von BioNTech. Seine frühere Beteiligung an CureVac wurde im Zuge der Übernahme durch BioNTech in Aktien des Mainzer Unternehmens umgewandelt. Nach Angaben der Bundesregierung hält der Bund nun rund 0,6 Prozent an BioNTech.
Gerade wenn ein Unternehmen selbst nach Käufern für Standorte sucht, muss eine Bundesregierung alle Möglichkeiten nutzen, um tragfähige Lösungen zu unterstützen. Das bedeutet nicht, unternehmerische Entscheidungen politisch zu ersetzen. Es bedeutet aber sehr wohl, Unternehmen, mögliche Investoren, Betriebsräte, Gewerkschaften sowie Länder und Kommunen an einen Tisch zu bringen. Mit Moderna hat bereits ein internationaler Pharmakonzern grundsätzliches Interesse an deutschen BioNTech-Werken signalisiert.
Die Bundesregierung muss jetzt vom Beobachter zum Akteur werden. Es braucht Gespräche über tragfähige Nachfolgelösungen für die betroffenen Standorte und zugleich eine Strategie, wie Deutschland im internationalen Wettbewerb um Pharma- und Biotechnologieinvestitionen attraktiver wird. Denn technologische Souveränität entsteht dort, wo aus Forschung Innovation, aus Innovation Produktion und aus Produktion dauerhafte Wertschöpfung wird.
Die deutsche Automobilindustrie steckt in der Krise. Volkswagen plant den Abbau von rund 50.000 Stellen bis 2030, Zulieferer wie Bosch streichen tausende Jobs. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller wie BYD, Xpeng und Nio mit preisgünstigen Elektroautos auf den europäischen Markt. In den ersten sieben Monaten 2026 wurden in Deutschland 70.209 Fahrzeuge chinesischer Marken neu zugelassen, allein BYD überholt erstmals Volvo.
Julian Joswig, Bundestagsabgeordneter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Obmann im Europaausschuss und Berichterstatter für Industriepolitik im Ausschuss für Wirtschaft und Energie, erklärt dazu:
„Die Krise unserer Autoindustrie ist keine Krise, weil wir zu schnell elektrisch werden. Sie ist eine Krise, weil der weltweite Wettbewerb bei Batterien, Software und bezahlbaren Elektroautos schneller geworden ist, als viele in Deutschland wahrhaben wollten. Wer jetzt wieder Milliarden und Entwicklungsarbeit in die Vergangenheit lenkt, verschärft das Problem, statt es zu lösen.“
Der E Auto Markt wächst trotzdem rasant: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in der EU rund 1,22 Millionen reine Elektroautos neu zugelassen, Marktanteil plus auf 20,7 Prozent. In Deutschland legten BEV Neuzulassungen um 48 Prozent zu, im Juli erreichten sie bereits 29,3 Prozent Marktanteil.
Joswig betont: „Die entscheidende Frage lautet: Wo werden die Fahrzeuge, Batterien und Komponenten produziert, und wo entstehen die Arbeitsplätze der Zukunft?“
„Unser Ziel muss sein, dass das Auto der Zukunft auch in Deutschland und Europa gebaut wird. Dafür brauchen wir keine Rückwärtsdebatte über den Verbrenner, sondern einen Zukunftsplan für unsere Autoindustrie: bezahlbare Elektroautos aus europäischer Produktion, starke Batterie und Softwarekompetenz, günstigen erneuerbaren Strom, eine verlässliche Ladeinfrastruktur und konkrete Perspektiven für die Beschäftigten.“
Doch der Kurs der Bundesregierung schafft Unsicherheit. Die neue E Auto Prämie steht unter scharfer Kritik: Umweltverbände monieren die Förderung von Plug in Hybriden und Luxusmodellen, Verbraucherzentralen kritisieren hohe Einkommensgrenzen, Experten wie Ferdinand Dudenhöffer sprechen von „Steuergeldverschwendung“.
Joswig fordert: „Wir Grüne setzen auf einen verlässlichen Transformationskurs: Investitionen in Batterietechnologien, Digitalisierung und Ladeinfrastruktur, kombiniert mit einer sozial gestaffelten Förderung für bezahlbare E Autos aus europäischer Produktion.“
Die deutsche Automobilindustrie habe alle Voraussetzungen, auch in Zukunft weltweit führend zu sein. „Aber wir müssen jetzt investieren: in Forschung, Batterien, Software und vor allem in die Menschen, die diesen Wandel jeden Tag umsetzen. Die politische Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass aus diesem Wandel neue Stärke entsteht, und dass das Auto der Zukunft auch weiterhin in Deutschland und Europa entwickelt und gebaut wird.“
Am Standort Worms habe ich gemeinsam mit der grünen Landesvorsitzenden Carolin Cloos sowie Mitgliedern des grünen Kreisverbandes das Unternehmen PamSun besucht, eine Tochtergesellschaft der TST Logistics GmbH. Im Mittelpunkt des Gesprächs mit Geschäftsführerin Katrin Herda stand der Auf- und Ausbau einer eigenen Infrastruktur zur Gewinnung und Nutzung erneuerbarer Energien in der Logistikbranche – ein Thema, das exemplarisch zeigt, wie Klimaschutz und wirtschaftliche Wertschöpfung in einer besonders energieintensiven Branche zusammengedacht werden können.
Unternehmen und Geschäftsmodell
PamSun wurde als eigene Projektgesellschaft der TST GmbH gegründet und widmet sich der Planung, Errichtung, dem Betrieb, der Wartung und dem Ausbau von Photovoltaikanlagen, Ladestationen für E-Mobilität und Batteriespeichern sowie der Vermarktung der daraus erzeugten erneuerbaren Energie. Die TST GmbH selbst ist mit mehr als 3.500 Beschäftigten und 75 Logistikstandorten allein in Deutschland – TST-weit über 75 Standorten in Deutschland, Europa und den USA – ein Schwergewicht der Branche, sodass die hier entwickelten Lösungen ein erhebliches Skalierungspotenzial besitzen.
Das Geschäftsmodell von PamSun ruht auf drei Säulen. Die erste ist der Aufbau eines eigenen Energieökosystems: Auf den Dächern und Wänden der TST-Logistikzentren entstehen großflächige PV-Anlagen, deren Strom über ein intelligentes Energiemanagement sowohl für den Eigenbedarf als auch für die Ladeinfrastruktur genutzt wird. Die zweite Säule ist die Ladeinfrastruktur selbst: PamSun plant und betreibt Depot-Ladeparks für E-Lkw-Flotten. Die dritte Säule trägt den Namen „dragonize“ – ein offenes, überbetriebliches Ladenetz, das nicht nur der eigenen Flotte, sondern der gesamten Logistikbranche zur Verfügung stehen soll.
Ziele
Katrin Herda erläuterte die konkreten Zielmarken des Unternehmens: Jährlich sollen rund 70.000 Megawattstunden Ökostrom produziert werden, die direkt in die Energiewende fließen. Parallel dazu treibt PamSun den Aufbau eines bundesweiten Ladenetzes für den Schwerlastverkehr voran, das ausdrücklich auch Kunden und externen Spediteuren offensteht. TST als Muttergesellschaft strebt an, bis 2035 klimaneutral zu werden, und der Standort Worms soll dabei als Blaupause für mehr als 20 weitere Logistikzentren in Deutschland dienen.
Bereits erreichte Meilensteine
Am 20. März 2025 wurde in Worms unter der neuen Marke „PamSun“ der erste Schnellladepark für E-Lkw eröffnet – nach Angaben des Betreibers die größte Schnell-Ladestation für E-Lkw in Rheinland-Pfalz. Acht Ladepunkte (DC-Charger) mit einer Ladeleistung von 3 x 400 kW, 3 x 240 kW und 2 x 160 kW stehen dort zur Verfügung. Als erste Nutzer der Ladeinfrastruktur konnten bereits namhafte Unternehmen gewonnen werden. Bis Mitte 2025/2026 sollen mit Wevelinghoven in Nordrhein-Westfalen und Alzey in Rheinland-Pfalz zwei weitere Standorte eigene Schnellladestationen erhalten. Ende 2025 sollte die TST-Flotte um 30 zusätzliche E-Lkw auf über 150 Nutzfahrzeuge insgesamt anwachsen, und im September 2025 ist „dragonize“ als eigene Marke für das überbetriebliche Ladenetz gestartet.
Gespräch und Besichtigung
Nach der Unternehmenspräsentation, in der Katrin Herda Strategie und Meilensteine anschaulich darstellte, folgte eine Besichtigung der Lkw-Ladestationen vor Ort. Bemerkenswert ist der Anspruch, die deutschlandweit geplanten Ladestationen künftig stets mit einem „Social Hub“ zu verbinden – mit Bistro, WC und kleinem Laden –, um die Ladezeit für Fahrerinnen und Fahrer angenehmer zu gestalten und zugleich einen sozialen Ankerpunkt entlang der Logistikrouten zu schaffen.
Fazit
Der Besuch bei PamSun hat gezeigt, wie ein etablierter Logistikkonzern die Energiewende nicht nur als Verpflichtung, sondern als eigenständiges Geschäftsfeld begreift. Die Verbindung von Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und einem offenen, überbetrieblichen Netz wie „dragonize“ macht deutlich, dass der Schwerlastverkehr eine zentrale Rolle für das Gelingen der Verkehrswende spielen kann – vorausgesetzt, Unternehmen investieren mit dem nötigen Weitblick in eigene Energieinfrastruktur. Für unsere Region ist besonders erfreulich, dass Worms als Blaupause für den bundesweiten Ausbau dient und damit über den Standort hinaus Strahlkraft entfaltet. Der gute und offene Austausch mit Katrin Herda sowie mit der Landesvorsitzenden Carolin Cloos und dem grünen Kreisverband hat wichtige Impulse für die weitere politische Begleitung dieses Themas gegeben.
Gemeinsam mit Fabian Ehmann, Mitglied des Landtags, Christin Sauer, Landesvorsitzende der Grünen Rheinland-Pfalz, und Teresa Bicknell, Sprecherin der Grünen in Mainz, habe ich die biomindz Standortentwicklungsgesellschaft Mainz mbH besucht, um mir ein Bild vom Life Science- und Biotechnologie-Standort Mainz zu machen.
Von Seiten biomindz waren Felix Wälder, Geschäftsführer und zuständig für die ganzheitliche Standortentwicklung, Mike Peter Schweitzer, verantwortlich für die Standortvermarktung, sowie Stefan Kilian, strategischer Berater des Unternehmens unsere Gesprächspartner.
biomindz wurde als Gesellschaft in kommunaler Hand gegründet, um Start-ups und Unternehmen der Life Science- und Biotechnologie-Branche in Mainz bei Gründung und Wachstum zu unterstützen. Ziel ist es, die Landeshauptstadt zu einem international sichtbaren und erfolgreichen Biotechnologiestandort weiterzuentwickeln. Dabei versteht sich biomindz als One-Stop-Shop für Investoren, Start-ups und Unternehmen: Man berät mit Informationen und Kontakten und begleitet Investitions- sowie Ansiedlungsvorhaben professionell. Ein zentraler Baustein der Arbeit ist zudem die kontinuierliche Vernetzung mit den wesentlichen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um lokale wie überregionale Netzwerke zu stärken – ergänzt durch gezielte Marketing- und PR-Aktivitäten, die den Standort national und international bei einem relevanten Fachpublikum positionieren sollen.
Inhaltlich liegen die Schwerpunkte des Mainzer Ökosystems in der Immunologie und der individualisierten Medizin, mit einem klaren Fokus auf die Onkologie. Daneben bestehen große Stärken in der Diagnostik und Analytik sowie in weiteren zukunftsweisenden Life-Science-Technologien.
Der Austausch war insgesamt sehr fruchtbar und intensiv – nicht zuletzt, weil mit Kommunal-, Landes- und Bundesebene alle politischen Instanzen am Tisch vertreten waren. Das hat unserer Diskussion eine besondere Dichte gegeben und gezeigt, wie wichtig ein gemeinsames, ebenenübergreifendes Verständnis für die Weiterentwicklung des Life-Science-Technologie-Standorts ist.
Für mich ist klar: biomindz spielt eine wichtige Rolle für das Standortmarketing im Bereich Life Science in Mainz und der Region. Alle waren sich einig, den Kontakt eng und regelmäßig zu halten, um die weitere Entwicklung des Standorts gemeinsam zu begleiten.
Gemeinsam mit Simone Fischer-Gora und Andreas Fladung, Sprecherin und Sprecher des Grünen Kreisverbands Südliche Weinstraße, habe ich die Reline Europe GmbH in Rohrbach besucht. Vor Ort empfingen uns CEO Marc Stiebing und Thomas Reingruber, Director Global Sales & Marketing, zu einem informativen Austausch über das Unternehmen und seine Technologien.
Reline Europe beschreibt sich selbst als weltweit führendes Unternehmen im Bereich der grabenlosen Rohrleitungssanierung. Das Unternehmen bietet nicht nur innovative Technologien für unterschiedlichste Anforderungen, sondern auch wertvolles Know-how für die Planung und umweltschonende Durchführung individueller Sanierungsmaßnahmen – eine Kombination, die hilft, Ressourcen, Zeit und Kosten zu sparen und dabei hochwertige, nachhaltige und flexible Lösungen zu liefern.
Konkret stellt die Firma Lösungen für die schnelle Reparatur öffentlicher Kanalabwassersysteme her. Mit etwas mehr als 200 Mitarbeitenden ist Reline Europe ein bedeutender Arbeitgeber der Region. Bei einem Rundgang durch die Produktion konnten wir uns selbst ein Bild davon machen, wie viel reine Handarbeit in der Fertigung steckt – zahlreiche Arbeitsschritte sind nötig, bevor das fertige Produkt entsteht.
Besonders beeindruckt hat uns die Technik, die hinter den Produkten steht: Beschädigte Kanalisation führt über die Zeit zu erheblichen Wasserverlusten. Anstatt ganze Straßenzüge aufzureißen und die Verkehrsinfrastruktur damit lahmzulegen, hat Reline Europe eine Lösung entwickelt, bei der Kanalabschnitte mit einem Foliensystem ausgekleidet und anschließend mit speziell entwickelten UV-Lichtsystemen ausgehärtet werden. So lassen sich Rohre mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern sanieren – so einfach wie genial. Das Unternehmen verfügt zudem über eigenes Equipment, das etwa an Firmen vermietet wird, die nach intensiver Schulung befähigt sind, die sogenannten Alphaliner selbst auszubringen.
Die Erfolgsbilanz spricht für sich: Das System kommt bereits in 55 Ländern zum Einsatz, dabei wurden mehr als sieben Millionen Meter Folienschlauch verlegt.
Ein herzliches Dankeschön geht an die Organisation des Besuchs sowie an CEO Marc Stiebing und CMO Thomas Reingruber für die spannenden Einblicke.