Gastbeitrag: Familienunternehmen in den Blick nehmen

Gastbeitrag im Newsletter 12/2020 des Grünen Wirtschaftsdialogs (GWD) e. V. vom 18.11.2020 (siehe: https://gruener-wirtschaftsdialog.de/newsletter-12-2020/)

Der Aspekt der Nachhaltigkeit spielt für Familienunternehmen eine besondere Rolle. Im Hinblick auf die nächste Generation möchte man nicht nur ein gesundes Unternehmen, sondern auch einen ebenso gesunden Planeten übergeben.

Eine aktuelle Studie des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) zeigt, das Unternehmerfamilien Nachhaltigkeit als gesellschaftliche Verpflichtung, aber auch als eine unternehmerische Chance betrachten. Denn laut der Studie sind nachhaltige Familienunternehmen innovativer, haben eine höhere Reputation und sind bei Arbeitnehmer*innen beliebter. Außerdem zeigen nachhaltige Familienunternehmen eine höhere Leistungsfähigkeit und Anpassungsbereitschaft an einen sich stetig verändernden Markt.

Dies sind relevante Erkenntnisse für unsere Wirtschaft, denn der europäische Mittelstand und insbesondere das Handwerk, die Zulieferindustrie sowie das Gastgewerbe sind stark durch familiäre Strukturen geprägt. Die Corona-Pandemie hat viele Unternehmen dieser Branchen in existenzielle Schwierigkeiten gebracht. Fehlende Umsätze in der Gastronomie, der Kulturbranche, usw. können nicht einfach zu einem späteren Zeitpunkt wieder eingeholt werden und selbst großzügige Kredite helfen oft nicht weiter, wenn das Geschäftsmodell bis auf weiteres lahmgelegt ist.

In der Tourismusbranche, in welcher auch unser Familienbetrieb angesiedelt ist, sieht die Lage besorgniserregend aus. Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) sehen sich aktuell 71,3 Prozent der gastgewerblichen Unternehmen in ihrer Existenz gefährdet und jedem sechsten Betrieb droht bereits jetzt die Insolvenz. Die hierfür zur Verfügung gestellten Novemberhilfen sind daher dringend notwendig und müssen Unternehmer*innen die Möglichkeit geben, schnell und unbürokratisch Unterstützung zu erhalten. Der Staat muss diejenigen auffangen, denen in einem leeren Wirtschaftsraum die Luft ausgeht. Neben den vielen familiären Betrieben sind hier auch insbesondere Solo-Selbstständige betroffen. Aus diesem Grund sind die geforderten Maßnahmen der Grünen Bundestagsfraktion ausdrücklich zu begrüßen!

Grüne Wirtschaftspolitik heißt für mich, volks- und betriebswirtschaftliche Ziele stets in Einklang mit Umwelt und Gesellschaft zu bringen. Wie am Beispiel der Familienunternehmen beschrieben, sind ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit keine Gegensätze – im Gegenteil. Der Erfolg des Grünen Wirtschaftsdialogs beweist, dass sich immer mehr Unternehmen für grüne Politikkonzepte interessieren und den Austausch suchen. So düster die aktuelle Lage der Corona-Pandemie auch ist, die Perspektive auf eine erfolgreiche sozial-ökologische Transformation und eine innovative Politik lassen mich mit Mut und Hoffnung auf das Wahljahr 2021 blicken.