Besuch beim Verein Berufliches und Soziales Lernen (VBS) in Sohrschied (Hunsrück)

Im Rahmen meiner Sommertour habe ich den Verein Berufliches und Soziales Lernen (VBS) in Sohrschied besucht – eine Einrichtung, die seit 42 Jahren wichtige Arbeit im Rhein-Hunsrück-Kreis leistet und dabei zwei Dinge verbindet, die selten so überzeugend zusammenkommen: berufliche Perspektive und soziale Verantwortung.

Geschichte und Auftrag

Der VBS wurde 1984 als gemeinnütziger Verein gegründet, um der Jugendarbeitslosigkeit im Rhein-Hunsrück-Kreis zu begegnen. Bereits 1985 entstanden in der neu eingerichteten Tischlerei erste Berufsvorbereitungskurse für arbeitslose Jugendliche, ab 1986 folgte die reguläre Ausbildung und Umschulung zu Tischlerinnen und Tischlern. Bis 2015 haben über 150 Personen hier erfolgreich ihre Gesellenprüfung abgelegt – eine beeindruckende Bilanz für einen Verein dieser Größe.

Ausbildung mit Haltung

Jedes Ausbildungsjahr nimmt der VBS bis zu fünf neue Auszubildende auf – junge Menschen, die aufgrund unterschiedlicher Lebensumstände auf dem regulären Ausbildungsmarkt bislang keinen Fuß fassen konnten. Unter der fachlichen Anleitung von Meister Martin Bollhorst lernen sie das Tischlerhandwerk in all seinen Facetten und fertigen im Kundenauftrag Vollholzmöbel, Treppen und Türen. Dabei wird konsequent auf einheimische Hölzer gesetzt – ein klares Bekenntnis zum Schutz der Umwelt und zum Bewusstsein für globale ökologische Zusammenhänge.

Der Name „Soziales Lernen“ ist Programm: Es geht um mehr als reine Fachkompetenz. Anleitendes Personal und Auszubildende verstehen sich als Team, in dem die Jugendlichen in ausgewählten Bereichen selbstständig und eigenverantwortlich planen, organisieren und arbeiten. Beim gemeinsamen Frühstück kamen wir mit zwei Auszubildenden ins Gespräch, die vor einigen Jahren aus Eritrea und dem Sudan geflüchtet sind und ihr erstes Ausbildungsjahr erfolgreich abgeschlossen haben. Ihre Geschichten und ihr Blick auf die neue berufliche Heimat haben mich sehr berührt.

Tagungshaus und neues Waffelcafé

Der VBS verfügt über ein Tagungshaus mit 50 Betten, das Schulklassen, Vereinen und privaten Initiativen zur Verfügung steht und damit weit über die eigentliche Ausbildungsarbeit hinaus zur regionalen Infrastruktur beiträgt. Über die Jahre konnte der Verein verschiedene LEADER-Projekte realisieren, zuletzt ein kleines Waffelcafé mit eigener Küche. Sonntags versorgt es Wanderinnen und Wanderer mit frischen Waffeln und Getränken – ein charmantes Beispiel dafür, wie Fördermittel vor Ort sichtbaren Mehrwert schaffen.

Begegnungen

Besonders bereichernd war der Austausch mit der ehemaligen Hausleiterin Frau Engelmann, die von den Anfängen des VBS erzählte, sowie mit der heutigen Hausleiterin Sabine Bollhorst, die offen über die Hürden und Herausforderungen der täglichen Arbeit berichtete – ohne dass dabei die schönen Geschichten zu kurz kamen. Auch Vorstandsmitglied Alice Hawig war beim Besuch dabei.

Fazit

Der VBS zeigt seit über vier Jahrzehnten, wie berufliche Bildung und soziale Integration zusammengedacht werden können. Für junge Menschen, die anderswo durchs Raster fallen, entsteht hier eine echte zweite Chance – handwerklich fundiert, ökologisch verantwortungsvoll und menschlich getragen. Ein Besuch, der einmal mehr deutlich gemacht hat, wie wichtig die verlässliche Förderung solcher Projekte im ländlichen Raum ist.

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