Die widersprüchliche Mittelstandspolitik der Katherina Reiche

Vergangene Woche schrieb Katherina Reiche einen Gastbeitrag mit dem hochgestochenen Titel “Deutschlands neue Gründerzeit”. Darin forderte sie einen Fonds für den innovativen Mittelstand. Klingt erstmal gut. Passt nur leider ganz und gar nicht zu dem, was ihr eigenes Ministerium gerade macht.

Förderstopp mitten in der Gründerzeit

Seit dem 7. Juli 2026 nimmt das Wirtschaftsministerium keine neuen Anträge im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) mehr an. Dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages musste Reiche deshalb diese Woche einen Bericht vorlegen, in dem sie erklärt, warum ausgerechnet jetzt das wichtigste Förderprogramm für den Mittelstand gestrichen wird.

Der Widerspruch

Reiche wirbt für ihren Fonds, weil er privates Kapital mobilisiere. Aber genau das leistet das ZIM längst: Jeder geförderte Euro löst 1,90 Euro an Forschungsausgaben aus, 90 Cent davon kommen von den Unternehmen selbst. Die Wirkung, die Reiche als Zukunftsvision verkauft, bremst ihr eigenes Ministerium im laufenden Programm gerade aus.

Der Mittelstandsverband BVMW hat deshalb einen Brandbrief an die Ministerin geschickt. Der Verband Innovativer Unternehmen nennt den Stopp einen “Schlag ins Gesicht”. Meine Frage an Frau Reiche: Wie passt ein Gastbeitrag über die “neue Gründerzeit” zu einem Förderstopp mitten in der größten Nachfragewelle, die das Programm je gesehen hat?

Vertrauen lässt sich nicht ankündigen

Es überrascht mich kein bisschen, dass Katherina Reiche immer unbeliebter wird. Laut Forsa halten drei von vier Befragten sie für die falsche Besetzung im Wirtschaftsministerium. Wer öffentlich für Investitionen wirbt und im eigenen Haus das wirksamste Förderinstrument einfrieren lässt, muss sich nicht wundern, wenn ihm das niemand mehr abkauft.

Ankündigungen ersetzen keine Politik. Und Vertrauen bekommt man nicht mit Gastbeiträgen zurück, sondern mit Verlässlichkeit.

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