Julian Joswig, MdB: „191 Millionen Euro EU-Förderung und trotzdem steht das Projekt still“

Heidelberg Materials hat sein CO₂-Abscheideprojekt GeZero im nordrhein-westfälischen Geseke vorerst pausiert. Geplant war eine Investition von mehr als 500 Millionen Euro, unterstützt durch rund 191 Millionen Euro aus dem EU-Innovationsfonds. Mit der Anlage sollten jährlich bis zu 700.000 Tonnen CO₂ abgeschieden werden. Nun fehlt eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für Transport und Speicherung.

Julian Joswig, Bundestagsabgeordneter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie, kritisiert:

„Wir fördern eine Zukunftstechnologie mit fast 200 Millionen Euro aus europäischen Mitteln, aber die notwendige Infrastruktur ist nicht gesichert. Das ist industriepolitisch ein erhebliches Problem. In Norwegen betreibt Heidelberg Materials bereits eine industrielle CO₂-Abscheideanlage. In Deutschland wird ein vergleichbares Vorhaben pausiert.“

Zwar gibt es seit November 2025 einen gesetzlichen Rahmen für CO₂-Transport und -Speicherung. Die Bundesregierung selbst rechnet jedoch damit, dass die Erschließung deutscher Speicher acht bis zehn Jahre dauern kann.

„Katherina Reiche muss erklären, wie sie diese zeitliche Lücke schließen will. Ein Rechtsrahmen allein transportiert noch keine Tonne CO₂. Wir brauchen einen koordinierten Infrastrukturaufbau, belastbare Transport- und Speicherverträge sowie eine staatliche Absicherung der Risiken für erste Projekte“, fordert Joswig.

Gerade bei der Zement- und Kalkproduktion lassen sich prozessbedingte Emissionen nicht allein durch den Einsatz erneuerbarer Energien vermeiden. „Wenn wir diese Industrien klimaneutral aufstellen und ihre Wertschöpfung in Deutschland halten wollen, müssen wir die gesamte Infrastruktur mitdenken. Geseke darf kein Vorbild für weitere Investitionsstopps werden.“