Die aktuelle E-Auto-Förderung der Bundesregierung geht aus meiner Sicht am Ziel vorbei. Statt Elektromobilität wirklich in die Breite zu bringen, droht sie Fehlanreize zu setzen, soziale Schieflagen zu verstärken und industriepolitische Chancen zu verspielen. Genau deshalb habe ich gemeinsam mit meiner Kollegin Swantje Michaelsen einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der die Förderung grundlegend neu ausrichtet.
Elektromobilität ist keine Nische mehr. Sie ist die zentrale Zukunftstechnologie unserer Automobilindustrie und entscheidend dafür, ob wir unsere Klimaziele im Verkehrssektor erreichen. Umso wichtiger ist es, dass staatliche Förderung dort wirkt, wo sie wirklich gebraucht wird: bei bezahlbaren, emissionsfreien Fahrzeugen für die breite Bevölkerung und nicht bei teuren Modellen oder Technologien, die weiterhin fossile Anteile haben.
Genau das ist aktuell das Problem. Die bestehende Förderung schließt auch Plug-in-Hybride und sogenannte Range-Extender ein. Gleichzeitig gibt es keine klaren Preisgrenzen. Das führt dazu, dass am Ende auch hochpreisige Fahrzeuge gefördert werden können. Wenn staatliche Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds eingesetzt werden, dann müssen sie aber unmittelbar zur Emissionsminderung beitragen. Alles andere ist aus meiner Sicht nicht nur ineffizient, sondern klimapolitisch falsch.
Mit unserem Antrag schlagen wir deshalb eine klare Förderlogik vor. Förderung soll es künftig ausschließlich für vollständig emissionsfreie Fahrzeuge geben, insbesondere batterieelektrische Autos und Brennstoffzellenfahrzeuge. Gleichzeitig wollen wir verbindliche Preisobergrenzen einführen, damit sich die Förderung auf den Massenmarkt konzentriert. Für Haushalte ohne Kinder schlagen wir eine Grenze von 35.000 Euro vor, für Familien 45.000 Euro. So stellen wir sicher, dass nicht Luxusautos mit Steuergeld subventioniert werden.
Ein zweiter zentraler Punkt ist die soziale Ausgestaltung. Elektromobilität darf kein Projekt für Besserverdienende bleiben. Deshalb wollen wir die Förderung gezielt auf Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen ausrichten. Wer wenig verdient, soll stärker profitieren als jemand mit hohem Einkommen. Ergänzend schlagen wir eine familiengerechte Förderung vor, mit Zuschlägen pro Kind. So wird Elektromobilität auch für Familien realistisch erreichbar.
Gleichzeitig müssen wir die industrielle Dimension stärker in den Blick nehmen. Es kann nicht sein, dass deutsches Steuergeld am Ende den Kauf importierter Fahrzeuge subventioniert, während wir gleichzeitig über den Verlust industrieller Wertschöpfung in Europa diskutieren. Deshalb setzen wir uns dafür ein, die Förderung an europäische Produktion zu knüpfen. „Made in Europe“ ist kein Selbstzweck, sondern entscheidend für Arbeitsplätze, technologische Kompetenz und wirtschaftliche Souveränität.
Darüber hinaus denken wir die Förderung weiter. Elektromobilität endet nicht beim Neuwagen. Ein funktionierender Gebrauchtwagenmarkt ist entscheidend, damit auch Menschen mit geringerem Einkommen Zugang bekommen. Deshalb fordern wir ein Konzept für die gezielte Förderung von gebrauchten E-Autos. Ebenso wollen wir Anreize für Technologien wie bidirektionales Laden schaffen, die nicht nur den Nutzerinnen und Nutzern helfen, sondern auch das Stromsystem stabilisieren können.
Für mich ist klar: Eine gute E-Auto-Förderung verbindet Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Industriepolitik. Genau darum geht es in unserem Antrag. Denn am Ende entscheidet sich hier nicht nur, wie schnell Elektromobilität wächst, sondern auch, ob wir sie in Europa selbst gestalten oder von anderen abhängig bleiben.