Rund 3,4 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland bereits im GreenTech-Bereich. Beim Netzwerkabend „GreenTech als Wachstumstreiber“ im Deutschen Bundestag kamen Unternehmen, Fachleute und Abgeordnete zusammen, um über die Chancen, Herausforderungen und politischen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche GreenTech-Industrie zu diskutieren.
Ein einzelner Abend kann die Vielzahl der betroffenen Branchen und Technologien selbstverständlich nicht vollständig abbilden. Die Gespräche haben jedoch deutlich gemacht: Wenn Deutschland ein starkes Industrieland bleiben will, müssen Zukunftstechnologien auch künftig hier entwickelt, produziert und industriell skaliert werden.
Das globale Rennen um Zukunftstechnologien nicht verschlafen
Die Abwanderung großer Teile der Solarindustrie aus Deutschland und Europa darf sich nicht wiederholen. Ob Elektromobilität, Batteriespeicher, Elektrolyseure, grüner Stahl, klimaneutraler Beton oder andere Schlüsseltechnologien: Europa muss seine industrielle Basis stärken und darf im globalen Wettbewerb um die Märkte der Zukunft nicht weiter ins Hintertreffen geraten.
Dabei mangelt es in Deutschland häufig weder an innovativen Ideen noch an engagierten Unternehmen oder technologischem Wissen. Viel zu oft scheitert der industrielle Hochlauf jedoch an fehlender Koordination, schwierigen Finanzierungsmöglichkeiten, langwierigen Zulassungsverfahren und einer nicht ausreichend verlässlichen Nachfrage.
Diese Herausforderungen standen auch im Mittelpunkt des Beitrags von Tobias Lechtenfeld. Für mich war die gemeinsame Diskussion zugleich ein besonderer Moment: Tobias war früher mein Chef. Nun diskutieren wir beide gemeinsam auf dem Podium über die Voraussetzungen für eine erfolgreiche GreenTech-Politik.
Öffentliche Beschaffung als Hebel für grüne Leitmärkte
Eine zentrale Rolle beim Aufbau neuer Märkte kann die öffentliche Beschaffung übernehmen. Bund, Länder und Kommunen vergeben jedes Jahr Aufträge in erheblichem Umfang. Werden dabei Nachhaltigkeit, Klimaschutz und innovative Technologien stärker berücksichtigt, kann die öffentliche Hand gezielt Nachfrage schaffen und Investitionen auslösen.
Die öffentliche Hand hat einen riesigen Hebel. Sie kann Märkte anstoßen, Unternehmen Planungssicherheit geben und dafür sorgen, dass klimafreundliche Innovationen nicht dauerhaft in der Pilotphase stecken bleiben, sondern in die breite Anwendung kommen.
Das betrifft nicht nur nachhaltige Baustoffe. Auch in anderen GreenTech-Bereichen braucht es klare Leitmärkte, verlässliche politische Rahmenbedingungen, schnellere Zulassungen und Finanzierungsinstrumente, die den Anforderungen industrieller Projekte gerecht werden.
Denn letztlich geht es nicht allein um abstrakte Technologiepolitik. Es geht um industrielle Wertschöpfung, qualifizierte Arbeitsplätze und die Frage, ob die klimaneutrale Modernisierung der Wirtschaft in Deutschland und Europa gelingt.
Planungssicherheit für den Wasserstoffhochlauf
Dr. Wiebke Lueke gab beim Netzwerkabend Einblicke in die unternehmerische Praxis und schilderte insbesondere die Herausforderungen beim Hochlauf der Wasserstoffproduktion. Ein zentrales Problem sind aus ihrer Sicht die fehlende Planungssicherheit und sich wiederholt verändernde Rahmenbedingungen.
Unternehmen, die heute in neue Anlagen und Produktionsverfahren investieren sollen, benötigen langfristige Verlässlichkeit. Politische Vorgaben dürfen sich nicht alle paar Jahre grundlegend verändern. Nur mit einem klaren politischen Commitment können Unternehmen Investitionsentscheidungen treffen, Finanzierung sichern und neue Technologien in den industriellen Maßstab überführen.
Austausch mit Unternehmen und Fachleuten fortsetzen
Der Netzwerkabend stieß auf große Resonanz. Zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nutzten die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und konkrete politische Handlungsbedarfe zu benennen.
Dr. Sandra Detzer MdB führte durch den Abend und moderierte die Diskussionen. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden machten deutlich, wie groß der Bedarf an weiteren Austauschformaten ist. Künftige Netzwerkgespräche sollen daher noch stärker auf die besonderen Herausforderungen einzelner Branchen und Technologiebereiche eingehen.
Der Bedarf ist riesig – und das Potenzial ebenso. Deshalb wollen wir den Austausch zwischen Politik, Unternehmen und Fachleuten weiter intensivieren und gemeinsam daran arbeiten, GreenTech zu einem zentralen Wachstumstreiber für Deutschland zu machen.