Autoindustrie in der Zange: Chinesische Konkurrenz, interne Krise – jetzt Zukunftschancen nutzen

Die deutsche Automobilindustrie steckt in der Krise. Volkswagen plant den Abbau von rund 50.000 Stellen bis 2030, Zulieferer wie Bosch streichen tausende Jobs. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller wie BYD, Xpeng und Nio mit preisgünstigen Elektroautos auf den europäischen Markt. In den ersten sieben Monaten 2026 wurden in Deutschland 70.209 Fahrzeuge chinesischer Marken neu zugelassen, allein BYD überholt erstmals Volvo.

Julian Joswig, Bundestagsabgeordneter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Obmann im Europaausschuss und Berichterstatter für Industriepolitik im Ausschuss für Wirtschaft und Energie, erklärt dazu:

„Die Krise unserer Autoindustrie ist keine Krise, weil wir zu schnell elektrisch werden. Sie ist eine Krise, weil der weltweite Wettbewerb bei Batterien, Software und bezahlbaren Elektroautos schneller geworden ist, als viele in Deutschland wahrhaben wollten. Wer jetzt wieder Milliarden und Entwicklungsarbeit in die Vergangenheit lenkt, verschärft das Problem, statt es zu lösen.“

Der E Auto Markt wächst trotzdem rasant: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in der EU rund 1,22 Millionen reine Elektroautos neu zugelassen, Marktanteil plus auf 20,7 Prozent. In Deutschland legten BEV Neuzulassungen um 48 Prozent zu, im Juli erreichten sie bereits 29,3 Prozent Marktanteil.

Joswig betont: „Die entscheidende Frage lautet: Wo werden die Fahrzeuge, Batterien und Komponenten produziert, und wo entstehen die Arbeitsplätze der Zukunft?“

„Unser Ziel muss sein, dass das Auto der Zukunft auch in Deutschland und Europa gebaut wird. Dafür brauchen wir keine Rückwärtsdebatte über den Verbrenner, sondern einen Zukunftsplan für unsere Autoindustrie: bezahlbare Elektroautos aus europäischer Produktion, starke Batterie und Softwarekompetenz, günstigen erneuerbaren Strom, eine verlässliche Ladeinfrastruktur und konkrete Perspektiven für die Beschäftigten.“

Doch der Kurs der Bundesregierung schafft Unsicherheit. Die neue E Auto Prämie steht unter scharfer Kritik: Umweltverbände monieren die Förderung von Plug in Hybriden und Luxusmodellen, Verbraucherzentralen kritisieren hohe Einkommensgrenzen, Experten wie Ferdinand Dudenhöffer sprechen von „Steuergeldverschwendung“.

Joswig fordert: „Wir Grüne setzen auf einen verlässlichen Transformationskurs: Investitionen in Batterietechnologien, Digitalisierung und Ladeinfrastruktur, kombiniert mit einer sozial gestaffelten Förderung für bezahlbare E Autos aus europäischer Produktion.“

Die deutsche Automobilindustrie habe alle Voraussetzungen, auch in Zukunft weltweit führend zu sein. „Aber wir müssen jetzt investieren: in Forschung, Batterien, Software und vor allem in die Menschen, die diesen Wandel jeden Tag umsetzen. Die politische Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass aus diesem Wandel neue Stärke entsteht, und dass das Auto der Zukunft auch weiterhin in Deutschland und Europa entwickelt und gebaut wird.“

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